NameÜber das Projekt
 
Der kurze TextDie Datenbank des Virtuellen Gulagmuseums ist eine Sammlung von Zeugnissen über die Ära des sowjetischen Terrors. Diese Zeugnisse sind verstreut in vielen Museen und Sammlungen und beinhalten auch "außermuseale Objekte": Ruinen von Lagern und Strukturen, Denkmäler und Gedenkzeichen.

Das Virtuelle Gulagmusuem ist ein Projekt des Forschungs- und Informationszentrums "Memorial" in St Petersburg. Die Datenbank und Website wurden von der ZAO "Alt-Soft" entwickelt.
 
Der volle TextRussland hat kein nationals Museum des Gulag. Was fehlt ist nicht nur das Museum als materielles Objekt – das Museum fehlt in der russischen Kultur als notwendiges Bindeglied zwischen Wissen und Verstehen, Fakt und Ereignis, Erfahrung und Erinnerung. Die Erinnerung an den kommunistischen Terror ist nicht zu einem integrierten Bestandteil der nationalen Erinnerung geworden. Sie besteht nach wie vor aus Erinnerungsfragmenten an regionale Ereignisse, die kein gemeinsames konzeptuelles Wesen haben. Die existierenden Museumssammlungen und Austellungsinitiativen machen den aktuellen Zustand der Erinnerung deutlich. Das Museum des Gulag besteht heute aus der Summe vieler Initiativprojekte und Autorenkollektive, die geografisch weit verstreut sind und viele thematische und methodologische Unterschiede aufweisen. In vielen Städten und Orten in der ehemaligen UdSSR gibt es Museen – staatliche und öffentliche Museen, Museen, die zu einer Schule oder Institution gehören – die Teile ihrer Dauerausstellungen dem einen oder anderen Aspekt des Gulag gewidmet haben. Diese Museen sammeln gezielt dokumentale und materielle Zeugnisse zur Geschichte des Terrors, und organisieren regelmäßige oder temporäre Ausstellungen. In der Regel sind solche Initiativen nicht miteinander verbunden und werden von Museumskollektiven durchgeführt. Die Mehrzahl der so zustande gekommenen Ausstellungen sind nur einem engen Kreis von Besuchern bekannt und werden außerhalb einer geografisch eng begrenzten Gemeinschaft nicht nachgefragt. Trotzdem drängt sich die Notwendigkeit auf, die Erfahrung von Gulag und Terror in einer integrierten musealen Form aufzuarbeiten. Heute ist es wichtig zu verstehen, dass alle Komponenten des zukünftigen Museums bereits existieren: es sind die bereits beschriebenen autonomen Initiativen. Sie ergänzen einander und widersprechen sich manchmal; sie sammeln die Erfahrung, auf der das zukünftige Museum basieren muss. Die wichtigste Frage bleibt: wie kann man diese Komponenten so zusammenführen, dass sie ein einziges Sinngebilde ergeben? Wie können unvollständiges und fragmentiertes Wissen und lokales Verständnis ein einheitliches historisches Panorama ergeben?

Das Forschungs- und Informationszentrum “Memorial” in St Petersburg arbeitet seit fünf Jahren an der Idee eines virtuellen Gulag-Museums. Wir betrachten dieses Projekt als die Gesamtheit der vielen unterschiedlichen Museums- und Ausstellungsinitiativen, vereint im virtuellen Raum, so dass wir sie vergleichen und nach Wegen der Integration suchen können. Dies muss so geschehen, dass regionale und Autor-spezifische Merkmale erhalten bleiben und Teil des Ganzen werden. Zu diesem Zweck sammeln wir Bilder der materiellen Erinnerung an den Staatsterror der Sowjetzeit. Diese Erinnerung stammt zumeist aus Museen. Letzendlich ist das Ziel die Kreation eines virtuellen Museums, das sowohl eine Gesamtkarte der Geschichte des Terrors zeigt als auch den heutigen Zustand der Erinnerung an diesen Terror in materieller Form. Die „nicht-museale“ Erinnerung an den Terror ist ebenfalls ein unabdinglicher Bestandteil dieser Karte und in unserer Sammlung vertreten durch die Abschnitte „Spuren des Terrors“ – Zeichen der Vergangenheit in der Landschaft und Kulturlandschaft um uns – und „Nekropol des Terrors“ – Hunderte erhaltene, halberhaltene oder fast verschwundene Begräbnisstätten von Terroropfern. Das nächste Stadium unseres Projekts ist die Kreation eines vollwertigen virtuellen Museums auf der Basis unserer Sammlung. Dieses Museum ermöglicht die multimediale Präsentation der Exponate und dokumentiert sie professionell, mit thematischen und anderen Rubriken, Indizes, virtuellen Kartotheken, thematischen, temporären und Dauerausstellungen und einem voll entwickelten System virtueller Exkursionen.

Das “Virtuelle Gulagmuseum” ist ein Projekt des Forschungs- und Informationszentrums “Memorial” in St Petersburg.
Die Software und technische Betreuung des Projekts wird geleistet von der ZAO “Alt-Soft” Informations- und Kommunikationstechnologien www.altsoft.spb.ru