Museum „Kunst und Alltag im GULAG“ der internationalen Gesellschaft „Memorial“
Die Museumssammlung wird seit dem Jahr 1988, vor allem im Rahmen von dokumentarischen Ausstellungen der Gesellschaft „Memorial“ aufgebaut. Neben Dokumenten brachten die Verwandten von politisch Verfolgten Erinnerungsstuecke, Zeichnungen und Fotografien. Im Jahre 1990 wurde das Museum eroffnet, dessen erste Direktorin des Museums die Kunsthistorikerin W.A. Tichanova war (bis 1998). In dieser Zeit begann die gezielte Vervollstandigung des Fundus. Hauptquelle der Sammlung waren Familien von politisch Verfolgten, die Errinnerungsgegenstande, Gemalde und Graphiken aufbewahrt hatten; ein Teil der Exponate kam dank Expeditionen zu Orten ehemaliger Lager in die Sammlung; der Fotografienfundus wurde im allgemeinen durch Kopien aus den staatlichen Archiven bereichert. Das Museum hat keinen eigenen juristischen Status, sondern ist eine Unterabteilung des Forschungs- und Informationszentrums „Memorial“.

Mitte 2005 wurde in der Museumssammlung ungefahr 2000 Originalgegenstande der Lagerkunst und des Lageralltags gezahlt (Zeitraum 1920-1960). Den Hauptteil der Sammlung (ungefahr 1500 Gegenstande) stellen Graphiken von gefangenen Kunstlern dar: Genrezeichnungen, Portraets, Interieure, Landschaftsgemaelde. Unter den Kuenstlern waren sowohl beruhmte Kunstler, die Lagerhaft und Verbannungen erlitten (z.B. W.Schuchajew, M. Sokolow, M. Rudakow, B. Sweschnikov, L. Kropiwnizkij, Ju. Sooster), als auch unbekannte Freizeitmaler. Ebenso hat sich eine gro?e Zahl von Handwerksarbeiten und Gebrauchsgegenstaenden angesammelt: Kleidung, Arbeitsinstrumente, Geschirr etc. (ungefahr 400 Einheiten). Vorgestellt werden auch Materialien der Lagerpropaganda, Druckerzeugnisse und persoenliche Dokumente. Abbildunges eines Teils der Exponate werden auf Negativen und Diapositiven oder in eingescannten Dateien gespeichert. Der Fundus wird registriert (Inventarbuch, Passe fur besonders wertvolle Materialien). Ein Katalog wurde (in elektronischer Form) zusammengestellt, eine Kartothek von Kuenstlern ist vorhanden. Auf Grundlage des Bestandes von 1998 wurde der illustrierter Katalog „Kunst und Alltag im Gulag“ herausgegeben, dieser Katalog ist auch auf der Homepage der Gesellschaft „Memorial“ (http://www.memo.ru.museum/index.htm) und auf der CD „Opfer des politischen Terrors in der UdSSR“ (Moskau, 2004. 3. Ausgabe) zu finden. Au?erdem existiert eine Nebensammlung fuer Kuenstler mit persoenlichen Materialen und Werken.

Zusaetzlich zur eigentlichen Museumssammlung enthaelt das Fotografiearchiv ungefaehr 12000 Einheiten. Es umfasst originale und kopierte Fotografien, die unter anderem die Geschichte der politischen Repressionen in der UdSSR in den 1920 bis 1980er Jahren, Leben und Arbeit der Haeftlinges des Gulag, das Alltagsleben in der Sowjetunion, die sowjetische Propaganda und die Taetigkeit der Gesellschaft „Memorial“ wiederspiegeln. Dazu gibt es eine systematische Kartothek, eine Datenbank mit Vergleichsaufnahmen sowie eine Sammlung von Sicherheitsabzuegen.

1. Die Wechselausstellung zur Museumsthematik beansprucht nur eine Flache von 25 m 2 (11 Vitrinen fur flache Exponate, 4 fur raumliche; insgesamt ungefahr 100 Exponate). Es finden Fuhrungen fur Schuler und andere Besucher statt (nach Absprache).

2. Die hauptsaechlichen Ausstellungsaktivitaeten des Museum finden auf externen Flaechen statt. Seit dem Bestehen der Sammlung wurden folgende Ausstellungen durchgefuehrt:

- Ein Ausstellungszyklus ueber das kuensterlische Schaffen von politisch verfolgten Kuenstlern (100-300 Exponate). Moskau 1989, 1990, 1995, Wien 1990, 1992, Amsterdam 1993, Norilsk 1993, Warschau 1992, 1994. Kuratorin: W.A. Tichanowa. Broschueren und Plakate einiger Ausstellungen vorhanden.

- Die dokumentarische Ausstellung „Mit Blut versiegelte Freundschaft (Molotow-Ribbentrop-Pakt 1939)“, 200 Exponate. Moskau 1989. Kurator: M.B. Gnedowskij. Plakate vorhanden.

- Die dokumentarische Ausstellung „Katyn“, 150 Exponate. Moskau 1990. Kurator: B.I. Belenkin. Plakate vorhanden.

- Die alljaehrliche dokumentarische Ausstellung „Der 30. Oktober - Tag der politischen Gefangenen“, 10 Tafeln. Moskau, Rathaus 1994 - 2005. Kuratorin: N.A. Malychina.

- Die Ausstellung „GULAG. Das Lagersystem in der UdSSR“, 550 Exponate. Mailand 1999; Verleih einer gekuerzten Ausstellung in 9 Universitatsstadte Italiens, 2000- 2003. Kurator: N.G. Ochotin, „Memorial“. Plakate, Broschueren und ein mit Fotografien der Ausstellung illustrierter Katalog historischer Materialien vorhanden.

- Die Posterausstellung “Langes Echo (Totalitarismus und Gegenwart)“, 11 Module; Bruessel 2002; Berlin 2003. Kopien der russischen Variante der Ausstellung sind in 15 Regionalzentren von „Memorial“ fuer die Arbeit vor Ort verschickt worden. Kuratoren: W.Ju. Dukelskij, N.G. Ochotin. Broschuere vorhanden.

-Die Posterausstellung „Vor deiner Geburt (Geschichte der UdSSR- Propaganda und

Wirklichkeit)“, 30 Module. Kopien der russischen Variante der Ausstellung sind in 15 Regionalzentren von „Memorial“ fuer die Arbeit in Schulen verschickt worden. Kuratoren: W.Ju. Dukelskij, N.G. Ochotin, M.W.Sokolowa. Methodisches Begleitmaterial vorhanden.

- Die Ausstellung „Gulag - Land der Haftlinge“, 600 Exponate. Genf, Ethnografisches Museum 2004. Kuratoren von „Memorial“: W.Ju. Dukelskij, N.G.Ochotin. Plakate, Broschuere, Album, Videofuhrungen (auf DVD) vorhanden.

- Die Ausstellung „Sag mir, wer dein Feind ist (Die Gestalt des Feindes in der neueren Geschichte Russlands)“, 400 Exponate. Moskau, Polytechnisches Museum 2005. Kuratoren: W.Ju. Dukelskij, N.G. Ochotin, T.A. Jurenewa. Plakate, Broschuere vorhanden.

- Die Dokumentarische Wanderausstellung „Schicksal unter dem Zeichen „OST““, 12 Module, 2005. 18 Kopien sind lokalen „Memorial“ - Gesellchaften zur Arbeit vor Ort ubergeben worden. Kuratoren: A.A. Litwin, N.G. Ochotin. Begleitmaterial (Skripten, Exkursionen, zusatzliche Texte) vorhanden.

Ausserdem werden die Materialien des Museums jaehrlich auf 4 bis 6 kuenstlerischen und dokumentarischen Ausstellungen in Museen und Lagern Moskaus, Russlands und Europas praesentiert (je 10 bis 50 Exponate). Von 1990 bis 2005 haben die Exponate des Museums in 73 „fremden“ Ausstellungsprojekten teilgenommen. Zu den standigen Partnern des Museums gehoren: das Staatliche Museum fuer Literatur (Moskau); der Staatliche Ausstellungssaal „Kowtscheg“ (Moskau), das Ausstellungszentrum „Rosiso“ (Moskau); der Ausstellungssaal der Foderalen Archive (Moskau); das Nationalmuseum der Republik Komi (Syktykvar); das Haus der Geschichte (Warschau); das Osteuropainstitut (Bremen) und andere.

Die Verlags-, Informations- und Recherchetatigkeit des Museums wird im Rahmen der Forschungs- und Wissenschaftsprogramme der Gesellschaft „Memorial“ durchgefuhrt. Die Materialien des Museums werden in Veroeffentlichungen von „Memorial“ verwendet, oft fur Publikationen in Buechern und in den Medien, darunter auch fur das Fernsehen. Die Museumsmitarbeiter beraten Historiker, Journalisten, Lehrer und Museumsmitarbeiter. An speziellen Veroeffentlichungen wurde neben dem Katalog (1998) und Materialien zu den Austellungen das Buch „Boris Sweschnikow. Lagerzeichnungen. Album.“ (Moskau 2000) herausgegeben.

рус
eng
de